Projekt Greensand: Dänemarks Nordsee-Ölfeld wird ab 2026 zum CO₂-Speicher

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In Dänemark soll ab dem Sommer 2026 im Rahmen des Projekts Greensand Kohlendioxid tief unter dem Meeresboden gespeichert werden. Perspektivisch sollen jährlich bis zu 8 Millionen Tonnen CO₂ in einem derzeit noch aktiven Ölbohrfeld eingelagert werden.

Abgespaltenes CO2 aus einer Biogasanlage ist der Anfang eines ambitionierten Speichervorhabens

Mehr als 200 Kilometer vor der dänischen Küste liegt die Ölbohrinsel Nini. Hier wird aktuell noch Öl gefördert, jedoch ist das Ölfeld fast erschöpft, weshalb sich der Standort gut für die Einlagerung des CO2 eignet. Der Öl- und Gaskonzern INEOS plant, mit Unterstützung der dänischen Regierung die vorhandene Infrastruktur sowie die ausgeförderten Hohlräume unter dem Meeresboden zu nutzen und dort ab Sommer 2026 verflüssigtes CO₂ einzulagern. Forschende gehen davon aus, dass die Lagerung sicher ist, da die Gesteinsschichten zuvor das Erdöl und Erdgas über Millionen Jahre eingeschlossen haben. Für die dänische Regierung ist dies ein Weg, die Emissionen aus Industrieprozessen zu senken, daher unterstützt der Staat das Projekt mit mehreren Millionen Euro.
Zum Projektstart ist vorgesehen, jährlich 400.000 Tonnen CO₂ zu speichern. Die Menge soll bis zum Jahr 2030 auf 8 Mio. Tonnen pro Jahr erhöht werden, was eine sehr ambitionierte Steigerungsrate ist. Dafür wird bereits jetzt Kohlenstoffdioxid an einer Biogasanlage abgeschieden, in der Gülle zu Biogas verarbeitet wird. Früher wurde das im Prozess entstehende CO2 in die Atmosphäre abgegeben, heute wird das Gas herausgefiltert, verflüssigt und in Tanks gespeichert. Ab diesem Sommer soll das verflüssigte Gas per Lkw zum Hafen transportiert werden. Von dort erfolgt der Weitertransport per Schiff zur Bohrinsel. Diese CO2-Abscheidung soll künftig auch an Industriestandorten erfolgen. Laut Betreiberangaben haben auch schon deutsche Firmen ihr Interesse bekundet.

Erwartet werden Einnahmen im Milliardenbereich – genauere Kosten für Speicherung bleiben zunächst offen

Bislang wird nicht beziffert, wie viel Energie für die Speicherung einer Tonne CO2 durch Abspaltung, Verflüssigung, Transport und Verfüllung benötigt wird. Auch die Kosten pro gespeicherter Tonne Treibhausgas sind derzeit noch unklar. Der Betreiber rechnet mit künftigen Erlösen aus dem Einspeicherungsgeschäft von 6,5 Mrd. Euro pro Jahr. Hier muss sich im Wettbewerb mit CO2-Vermeidungsmaßnahmen zeigen, wann sich die Abspaltung und Speicherung für Unternehmen rechnet.

Während das Projekt Greensand im Hinblick auf die EU-Klimaziele nur einen kleinen Beitrag leistet, ist sein Beitrag für Dänemark signifikant

Die EU hat das Ziel, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Um die Dimension des Projekts Greensand besser einordnen zu können, hier ein paar Emissionswerte aus dem Jahr 2023 in Millionen Tonnen CO2-Äquivalent:

  • EU: 3.222
  • Deutschland: 682
  • Dänemark: 44
  • Projekt Greensand: -8 (geplante Einspeichermenge p.a. ab 2030)


Die geplante Speichermenge des Greensand Projekts fällt auf Ebene der EU und Deutschlands – gemessen an den aktuellen Emissionen – kaum ins Gewicht. Es zeigt sich, dass die Technologie zur Speicherung des Klimagases kein Freifahrtschein dafür ist, um einfach so weiterzumachen wie bisher. Umweltschutzorganisationen warnen bereits davor, ausschließlich auf diese Technologie zu setzen. Entscheidend bleibt weiterhin eine deutliche Reduktion der CO₂-Emissionen. Bezogen auf die Emissionen von Dänemark sind die angestrebten jährlichen 8 Mio. Tonnen aus dem Projekt jedoch ein signifikanter Schritt hin zur Klimaneutralität des EU-Staates.

Gesetzesänderungen und erste Infrastrukturpläne bringen CCS in Deutschland voran

Insbesondere die deutsche Zement- und Kalkindustrie zeigt großes Interesse an Carbon-Capture-and-Storage-Verfahren (CCS). Branchenvertreter fordern langfristig Speicherkapazitäten von bis zu 50 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr. Als möglicher Umschlagsort für den Transport von CO₂ ist aktuell Wilhelmshaven im Gespräch. Dort gibt es bereits erste Pläne für einen Umschlagplatz. Kohlendioxid soll per Bahn aus dem Inland angeliefert werden und dann per Schiff und später auch per Pipeline zu leeren Ölfeldern in der Nordsee befördert und dort eingelagert werden.

Auf politischer Ebene wurden in der Ampelkoalition unter Wirtschaftsminister Robert Habeck schon Vorarbeiten für die Ermöglichung von CCS in der Nordsee geleistet. Die neue Regierung hat diese Verfahren weiter vorangetrieben. So wurden im Bundestag im November 2025 und Januar 2026 Gesetzesänderungen beschlossen, die den Weg für CCS in der Nordsee frei machen. Zuvor war es verboten, Abfallstoffe in großen Mengen in den Meeresraum zu befördern. Bundeswirtschaftsministerin Reiche spricht von einem Meilenstein für die Industrie und einen wichtigen Schritt für die Wettbewerbsfähigkeit.

Fazit

CO2-Speicherung, ob in der Nordsee oder an anderen Orten, kann ein Baustein auf dem Weg hin zur Klimaneutralität der EU bis 2050 sein. Der Einsatz ist jedoch begrenzt auf Standorte mit perspektivisch hohen CO2-Emissionen, damit Investitionen in Abscheidungs- und Verflüssigungstechnologien wirtschaftlich bleiben. Energiewirtschaftlich relevante Objekte wären hier z.B. die noch verbleibenden Kohlekraftwerke als auch die neu geplanten Gaskraftwerke der Kraftwerksstrategie. Zur Dekarbonisierung des Verkehrs oder dezentraler Heizungen eignen sich die Speicherverfahren nicht, da die Emissionen hier stark gestreut ausgestoßen werden. Letztlich wird entscheidend sein, wie sich zum einen die CO2-Zertifikatspreise und zum anderen die Kosten von Vermeidungsmaßnahmen und Speichertechnologie ohne staatliche Subventionen entwickeln.

Quellen:

Tagesschau – Dänemark-Klimaspeicher (19.02.2026)

Netzanschlusspaket: Reiche plant EEG-Änderungen (zfk)

Bundesverband des Solarhandwerks kritisiert Reiches Netzpaket – Solarserver