Sinkende Energiekosten erhöhen Investitionen in die deutsche Wirtschaft
Energiekosten gehören zu den zentralen Standortfaktoren der Wirtschaft und beeinflussen maßgeblich Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsentscheidungen von Unternehmen. In einem aktuellen Report analysiert das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) den Einfluss von Energiekosten und anderen Faktoren auf das Investitionsverhalten von Unternehmen.
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Die deutschen Energiekosten bleiben im internationalen Vergleich hoch
Das IW verwendet zur Bewertung der Attraktivität der Wirtschaftsstandorte den IW-Standortindex, der die Standortbedingungen aus Sicht von Industrieunternehmen in Bezug auf Investitionsentscheidungen analysiert. Insgesamt werden 60 Indikatoren betrachtet, die sich auf sechs Themenbereiche (Staat, Infrastruktur, Wissen, Ressourcen, Kosten und Markt) aufteilen. Im Vergleich belegte Deutschland im Jahr 2025 insgesamt den zwölften Platz, in der Kategorie Kosten allerdings den Vorletzten von 45 Plätzen. Unter die negativen Kostenfaktoren fallen auch die Energiekosten. Im Großhandelsstrommarkt stiegen die Preise 2025 im Vergleich zum Vorjahr um rund 14 % auf durchschnittlich über 89 €/MWh. Diese Erhöhung ist vor allem für energieintensive Industrien eine spürbare Belastung. Deutschland ist nicht das einzige Land, in dem die Industrie unter den gestiegenen Energiekosten leidet. In Belgien stiegen die Preise um über 17 %, in Österreich sogar um 21 % im Vergleich zu 2024. Die Einordnung auf dem 44. Platz in der Kategorie Kosten verdeutlicht das vergleichsweise schwache Preis-Leistungs-Verhältnis des Standorts Deutschland. Das IW sieht einen erhöhten Handlungsbedarf bei der Verbesserung der Standort- und Investitionsbedingungen in Deutschland.
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Bundesregierung beschließt Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten
In den letzten Jahren hat die Bundesregierung an vielen Stellen Investitionen und finanzpolitische Maßnahmen beschlossen, die darauf abzielen, Energiekosten für Haushalte und Unternehmen zu senken. Dazu gehören direkte finanzielle Entlastungen, strukturelle Förderprogramme und Investitionen in Energie- und Klimainfrastruktur.
Seit dem 1. Januar 2026 ist beispielsweise die Gasspeicherumlage abgeschafft, wodurch die Gaspreise für Verbraucher und Unternehmen sanken, da diese Umlage nicht mehr auf den Gaspreis aufgeschlagen wird. Zudem bezuschusst der Bund die Übertragungsnetzentgelte im Jahr 2026 mit 6,5 Milliarden Euro. Auch das Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro trägt dazu bei, die Energiekosten langfristig zu senken. Ein Anteil des Sondervermögens wird in Energieeffizienzprojekte, wie zum Beispiel bestehende Energienetze, erneuerbare Energien und Transformationstechnologien investiert. Aus dem Sondervermögen fließen seit 2025 jährlich 10 Milliarden Euro in den Klima- und Transformationsfonds, aus dem unter anderem Netzentgeltzuschüsse, Energiespeicher- und Infrastrukturprojekte finanziert werden.
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Die Investitionen in die Energiewirtschaft zeigen bereits Wirkung
Auch wenn viele Investitionen der Bundesregierung vor allem langfristig die Energiekosten senken sollen, sind bereits erste Effekte sichtbar. Es werden zukünftig 600.000 produzierende Unternehmen sowie Land- und Forstwirte entlastet, da die Stromsteuer ab 2026 dauerhaft auf einem niedrigen europäischen Mittelmaß gehalten wird. Die Unternehmen profitieren zudem von den niedrigeren Strompreisen, die durch die subventionierten Netzentgelte erreicht werden. Der Strompreis für Industriekunden sank bereits um über 12 % und Neukunden zahlten im Januar 2026 im Schnitt knapp 7 % weniger pro kWh. Durch den Wegfall der Gasspeicherumlage zum Beginn des Jahres sind die Gaspreise im Vergleich zu Dezember um 4 % gefallen.
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Bei sinkenden Energiepreisen planen deutsche Unternehmen höhere Investitionen
Das IW hat im Zuge seines Berichts 1.915 Unternehmen befragt, welche wirtschaftspolitischen Veränderungen eine höhere Zuversicht hinsichtlich ihrer aktuellen Geschäftstätigkeit schaffen und somit investitionsfördernd wirken würden. Die zwei meistbenannten Themen waren die Entbürokratisierung sowie eine Senkung der Energiekosten.
Die Unternehmen erwarten einen klar positiven Einfluss niedrigerer Energiekosten auf ihre Investitionstätigkeit, wobei dieser Effekt kurz- wie mittelfristig zunimmt. In der Befragung im Herbst 2025 bewerteten viele Unternehmen die Senkung von Energiekosten als eine der Maßnahmen mit den stärksten positiven Auswirkungen auf ihre Investitionsentscheidungen, gleich hinter Entbürokratisierung und vor anderen wirtschaftspolitischen Schritten. Die Firmen gehen davon aus, dass sinkende Energiepreise bzw. geringere Energiebelastungen ihre Bereitschaft und Möglichkeiten erhöhen, in Anlagen, Produktion und Modernisierung zu investieren. Besonders auffällig ist, dass starke positive Effekte durch Senkung der Energiekosten vor allem mittelfristig gesehen werden. Dies zeigt, dass Unternehmen Planungssicherheit über die Entwicklung ihrer Kosten benötigen, um darauf basierend ihre Investitionspläne zu erstellen. Insgesamt deuten die Umfrageergebnisse darauf hin, dass Energiekosten ein zentraler Standortfaktor sind. Ihre Senkung kann die Investitionsdynamik in der deutschen Wirtschaft stärken, indem sie die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessert und zusätzliche Investitionsanreize schafft.
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Fazit
Aus der IW-Studie lässt sich ein klares Fazit für Investitionen und Energiekosten ziehen. Hohe Energiekosten bremsen Investitionstätigkeiten, während sinkende Energiepreise die Investitionsbereitschaft und -fähigkeit der Unternehmen merklich erhöhen. Wenn Unternehmen weniger für Energie ausgeben müssen, haben sie mehr Kapital für Modernisierung, Anlageninvestitionen und Produktionsausbau zur Verfügung. Gleichzeitig steigt die Rentabilität und somit die Attraktivität neuer Projekte, da geringere laufende Kosten die Gewinnmargen verbessern. Maßnahmen, die Energiekosten senken, geben der Wirtschaft Investitionsimpulse, während hohe Energiepreise Investitionen hemmen und wirtschaftliche Wachstumschancen mindern. Vor diesem Hintergrund sind energiepolitische Entlastungen, wie sie von der Bundesregierung geplant sind, für die Industrie von strategischer Bedeutung und damit auch für das langfristige Wirtschaftswachstum Deutschlands relevant.
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Quellen:
Wirken die Maßnahmen der neuen Bundesregierung auf Investitionen in Deutschland? – Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
IW-Trends_2025-04-04_Bardt_Grömling.pdf
https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/EN/2026/20260104_SMARD.html







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