H2-Marktindex 2025: Wasserstoffmarkt wird verhaltener eingeschätzt als im Vorjahr
Laut einer Erhebung des EWI (Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln) wird die Entwicklung des Wasserstoffmarktes in Deutschland von Marktteilnehmern im Vergleich zum vergangenen Jahr verhaltener eingeschätzt. Das EWI hat im Auftrag des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) im Jahr 2023 den H2-Marktindex mit dem Ziel entwickelt, die Wahrnehmung von Stakeholdern zur aktuellen Entwicklung des Wasserstoffmarktes zu messen. Im Jahr 2025 wurde die Befragung von Stakeholdern und Marktakteuren der Wasserstoffwirtschaft, also z. B. Netzbetreibern, Equipment-Herstellern und Wasserstoffverbrauchern, bereits zum dritten Mal durchgeführt, dieses Jahr im Auftrag des DVGW sowie sieben weiteren Branchenverbänden. Während knapp 70 Prozent der Marktakteure einen großflächigen Einsatz von klimaneutral erzeugtem Wasserstoff im Energiesektor als langfristig realistisch ansehen, ist der H2-Marktindex im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Er liegt im Jahr 2025 bei 41 von 100 Punkten, ein Rückgang um 3 Punkte gegenüber 2024 (44 Punkte). Die Indexergebnisse werden dabei auf einer Skala von 0 (negativ) bis 100 (positiv) abgebildet, wobei die vier Themenfelder Innovationsumfeld, Infrastrukturausbau, politisch regulatorischer Rahmen und Marktentwicklung betrachtet werden. Marktakteure bewerten den Markthochlauf von Wasserstoff somit derzeit neutral mit negativer Tendenz. Allerdings variieren die Einschätzungen unter den Stakeholdern: Fernleitungsnetzbetreiber, Verbände, Vereine und Forschungseinrichtungen bewerten den Markthochlauf tendenziell positiver als Energiehändler und die Industrie.
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Von den vier Themenfeldern des H2-Marktindexes wird das Innovationsumfeld am positivsten bewertet
Dieses Themenfeld befasst sich damit, wie sich das Innovationsumfeld von Wasserstoff in Deutschland und weltweit entwickelt, und bildet damit den Themenkomplex rund um die technische Entwicklung, über die Erprobung, bis hin zur Markteinführung neuer Technologien ab. Es wird mit einem Index von 55 als neutral mit einer positiven Tendenz bewertet (allerdings mit leichtem Rückgang verglichen mit dem Vorjahr von 57 auf 55), basierend auf dem innovativen Umfeld und dem technischen Fortschritt.
Die Einschätzungen der Marktakteure bezüglich verschiedener Wasserstofftechnologien variieren allerdings nach wie vor. Während die Entwicklung von Schlüsseltechnologien, wie z. B. Erzeugung und Transport, größtenteils als neutral mit positiver Tendenz bewertet wird, wird der technische Stand der Wasserstofftechnologien zur Verflüssigung und im Gebäudesektor von den Befragten etwas schlechter eingestuft.
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Marktakteure nehmen den politisch-regulatorischen Rahmen als eher negativ wahr
Obwohl seit der letzten Erhebung neue Strategien und Pläne zum Wasserstoffmarkthochlauf auf den Weg gebracht wurden, hat sich der Indexwert zum politisch-regulatorischen Rahmen in der diesjährigen Erhebung gegenüber dem Vorjahr zum Negativen verändert (von 45 im Jahr 2024 auf 37 in 2025). Die Bewertung des politischen Willens zum Markthochlauf ist dabei am deutlichsten gesunken, von 51 auf 45. Als größtes Hindernis für den Wasserstoffmarkthochlauf in Bezug auf den rechtlichen Rahmen betrachten die Marktakteure derzeit eine übermäßige Regulierung, gefolgt von inkohärenter Regulierung auf EU-Ebene und unzureichender Regulierung aufgrund regulatorischer Lücken insbesondere bei Wasserstofferzeugung und -Transport. Auch wird die Förderkulisse für Wasserstoff trotz steigender Fördersummen von den Marktakteuren als eher negativ bewertet.
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Infrastrukturausbau zeigt positive Dynamik mit strukturellen Lücken
Der Index für das Themenfeld Infrastrukturausbau liegt bei 35 und offenbart, dass die Marktakteure den Ausbaustand der Wasserstoffinfrastruktur eher negativ bewerten. Dies gilt gleichermaßen für den Ausbaustatus der Pipelineinfrastruktur als auch für die Speicher- und Importinfrastruktur. So liegen beispielsweise angekündigte Wasserstoffspeicherprojekte weiterhin unterhalb der in der Speicherroadmap des Nationalen Wasserstoffrates und in Energiesystemstudien anvisierten Speicherbedarfe. Die Veröffentlichung einer Wasserstoffspeicherstrategie ist noch ausstehend. Ein Grund für die leichte Verbesserung der Markteinschätzung (Anstieg des Index von 31 auf 35) könnte die Genehmigung des Wasserstoffkernnetzes im Oktober 2024 durch die Bundesnetzagentur sein.
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Die Wahrnehmung des Themenfelds Marktentwicklung fällt deutlich negativer aus als im Vorjahr
Die Marktakteure nehmen den aktuellen Stand des Wasserstoffmarkthochlaufs als eher negativ wahr. Die Einschätzung der Marktentwicklung fällt 2025 mit 37 Indexpunkten erneut zurück und liegt damit unter dem Vorjahreswert von 45 Indexpunkten. Entscheidend ist aus Sicht der Unternehmen weiterhin die bestehende Kostenlücke zwischen erneuerbarem Wasserstoff und fossilen Alternativen, insbesondere durch hohe Strompreise, Investitions- und Betriebskosten sowie regulatorische Auflagen. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit vieler Projekte ist dadurch nicht gegeben, langfristige Investitionsentscheidungen bleiben hierdurch aus. Um eine höhere Dynamik im Markhochlauf zu erreichen, sieht der überwiegende Teil der Marktakteure einen langfristigen verlässlichen regulatorischen Rahmen als unerlässlich (73 %). Weiterhin nennen hier über 40 % der Befragten schnellere Genehmigungsverfahren sowie die Förderung von Abnahmegarantien, bspw. Hydrogen Purchase Agreements. Auch potenziell produktionskostensenkende Maßnahmen wie ein geringeres Strompreisniveau und der Verzicht auf die Farbenlehre des Wasserstoffs wird von über einem Drittel der Marktakteure als vielversprechend für eine höhere Dynamik im Markthochlauf wahrgenommen.
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Treiber und Hemmnisse des Wasserstoffmarkthochlaufs werden von Marktakteuren unterschiedlich bewertet
Die Wahrnehmung von Treibern und Hemmnissen des Markthochlaufs variiert: während Fernleitungsnetzbetreiber mit 50 Punkten den Wasserstoffhochlauf neutral bewerten, liegt der Index industrieller Stakeholdergruppen bis zu 18 Punkte niedriger.
Stakeholder-übergreifend sind die drei größten Treiber für den Markthochlauf die politische Zielsetzung, die Schaffung von Investitionssicherheit sowie angebotsseitige Förderprogramme. So sehen Equipment-Hersteller vor allem angebotsseitige Förderprogramme als entscheidend, Netzbetreiber setzen auf die politische Zielsetzung, und industrielle Verbraucher auf nachfrageseitige Förderprogramme.
Als größte Hemmnisse werden von den Befragten Stakeholder-übergreifend vor allem hohe Investitionskosten und damit einhergehende Risiken sowie begrenzte Wasserstoffverfügbarkeit bzw. -nachfrage identifiziert. Hohe Betriebskosten und unzureichende Wettbewerbsfähigkeit werden vor allem von Wasserstoffverbrauchern als Hemmnisse wahrgenommen.
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Fazit
Der aktuelle H2-Marktindex zeigt, dass der Wasserstoffmarkt sich langsamer und komplexer als noch vor einem Jahr entwickelt, aber langfristig relevant bleibt. Die Marktakteure signalisieren keine grundsätzliche Abkehr vom Energieträger Wasserstoff, sondern eine eher realistische Einschätzung von Tempo, Risiken und Umsetzungshemmnissen.
Für Energieversorger bedeutet das, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit vieler Projekte aktuell noch nicht gegeben ist. Gutes Risikomanagement ist daher notwendig: Wasserstoffstrategien und Investitionen sollten modular und schrittweise entwickelt werden, um auf regulatorische Klarstellungen reagieren zu können. Auch Kooperationen durch Partnerschaften mit Industrie, Netzbetreibern und Forschungseinrichtungen reduzieren Risiken und erhöhen Skaleneffekte. Da die politische Zielsetzung als einer der größten Treiber des Markthochlaufes gesehen wird, sollten EVU über Verbände und Pilotprojekte stärker auf politische Rahmenbedingungen einwirken. Hier liegt aber auch großer Handlungsbedarf beim Staat, denn ohne klare staatliche Rahmensetzung und finanzielle Absicherung bleibt der Markt fragil.
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Quellen:










