Deutschlandfonds soll Milliarden mobilisieren und zeigt, wie belastbar die Energiewende wirklich ist
Mit dem Deutschlandfonds will die Bundesregierung mehr privates Kapital für Zukunftsinvestitionen mobilisieren. Ein Schwerpunkt liegt auf der Energieinfrastruktur. Dafür stellt der Bund öffentliche Mittel und Garantien in Höhe von rund 30 Milliarden Euro bereit. Insgesamt sollen so Investitionen von etwa 130 Milliarden Euro ermöglicht werden. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau koordiniert den Fonds und dient als zentrale Anlaufstelle für Investoren.
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Kein klassischer Fonds, sondern ein Finanzierungsbaukasten des Bundes
Der Deutschlandfonds ist kein klassischer Investmentfonds. Er bündelt verschiedene Finanzierungsinstrumente, darunter Garantien, Bürgschaften, Kredite und Beteiligungen. Diese sollen in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden, etwa in der Industrie, bei jungen Unternehmen oder in der Energiewirtschaft.
Nach Angaben der Zeitung für kommunale Wirtschaft bestehen mehr als 95 Prozent der öffentlichen Mittel aus Absicherungen. Ziel ist es, Risiken für private Kapitalgeber zu senken und dadurch zusätzliche Investitionen auszulösen. An dieser Stelle wird häufig auch das staatliche Sondervermögen von 500 Milliarden Euro genannt, um die Dimension einzuordnen. Es handelt sich dabei jedoch um ein separates Instrument, das unabhängig vom Deutschlandfonds geführt wird und vor allem für langfristige staatliche Investitionen vorgesehen ist. Der Vergleich macht deutlich, dass der Deutschlandfonds weniger auf direkte Ausgaben setzt, sondern gezielt privates Kapital mobilisieren soll.
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Stadtwerke sollen vor allem bei Netzen und Geothermie profitieren
Für Stadtwerke und kommunale Energieversorger sind vor allem zwei Bereiche relevant. Zum einen geht es um Investitionen in Strom- und Wärmenetze. Zum anderen um Geothermieprojekte, die bislang oft an hohen Anfangsrisiken gescheitert sind.
Bei den Netzen plant der Bund, Kreditfinanzierungen abzusichern. Energieversorgungsunternehmen sollen gemeinsam mit ihren Hausbanken Kredite von bis zu 100 Millionen Euro je Projekt aufnehmen können. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau beteiligt sich an der Finanzierung und teilt sich das Risiko mit den Banken. Dafür erhält sie eine Garantie des Bundes. Das soll die Finanzierung erleichtern und die Kosten für die Unternehmen senken. Wann dieses Instrument startet, ist allerdings noch offen. Erwartet wird ein Beginn im kommenden Jahr.
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Geothermie bekommt erstmals eine Absicherung gegen Bohrungsrisiken
Konkreter ist das neue Programm für die Geothermie, das Mitte Dezember 2025 gestartet ist. Es richtet sich an Projekte, bei denen das Fündigkeitsrisiko bisher das größte Hindernis war. Gefördert werden Bohrungen ab 400 Metern Tiefe. Pro Projekt können Kredite von bis zu 25 Millionen Euro mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren beantragt werden.
Die Absicherung erfolgt gemeinsam mit der Münchener Rückversicherungsgesellschaft. Je nach Projekt werden 30 bis 70 Prozent der Darlehenssumme abgesichert. Für den restlichen Teil kann die Kreditanstalt für Wiederaufbau im Schadensfall einen Teilschuldenerlass gewähren. Insgesamt kann so eine Absicherung von bis zu 100 Prozent erreicht werden. Für dieses Instrument stehen laut Zeitung für kommunale Wirtschaft 49,5 Millionen Euro über vier Jahre zur Verfügung. Damit sollen Investitionen im Milliardenbereich ermöglicht werden.
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Warum der Ansatz für die Energiewende hilfreich sein kann
Der große Vorteil des Deutschlandfonds liegt in seiner Hebelwirkung. Statt vor allem Zuschüsse zu vergeben, setzt der Bund auf Garantien und Risikoteilung. Gerade bei Infrastrukturprojekten kann das sinnvoll sein, da hier hohe Investitionen über lange Zeiträume nötig sind.
Für Stadtwerke bedeutet das vor allem zwei Dinge. Projekte lassen sich leichter finanzieren, wenn zentrale Risiken abgesichert sind. Gleichzeitig kann die geringere Risikobelastung dazu führen, dass Investoren niedrigere Renditen erwarten. Das verbessert die Wirtschaftlichkeit vieler Vorhaben.
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Wo der Deutschlandfonds an Grenzen stößt
Der Deutschlandfonds setzt stark auf Absicherung. Ob er wirkt, hängt deshalb davon ab, ob Banken und Investoren die Instrumente tatsächlich nutzen. Wenn regulatorische Vorgaben oder eine zurückhaltende Risikobereitschaft dagegenstehen, bleibt der Effekt begrenzt.
Zudem sind die Verfahren teilweise komplex. Besonders bei der Geothermie sind umfangreiche Prüfungen notwendig. Das sorgt für Sicherheit, kostet aber Zeit und erhöht den Aufwand für die Projektträger.
Ein weiteres Problem bleibt die Eigenkapitalfrage. Viele Energieversorger stehen vor sehr hohen Investitionen. Ohne zusätzliche eigenkapitalstärkende Maßnahmen kann auch günstiges Fremdkapital schnell an Grenzen stoßen.
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Branche unterstützt den Fonds, kritisiert aber den Haushalt
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft bewertet den Deutschlandfonds grundsätzlich positiv, vor allem mit Blick auf die Wärmewende. Gleichzeitig übt der Verband deutliche Kritik am Bundeshaushalt 2026. Für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft seien kaum neue Impulse vorgesehen. Genannt werden rund 2,9 Milliarden Euro für 2026 sowie 3,5 Milliarden Euro in der mittelfristigen Finanzplanung. Diese Mittel deckten nach Einschätzung des Verbandes überwiegend bestehende Zusagen ab.
Auch bei der Förderung von Wärmenetzen sieht der Verband Risiken. Die Verlagerung der Mittel in ein Sondervermögen erschwere die Planungssicherheit. Aus Sicht des Verbandes wären mindestens 3,5 Milliarden Euro pro Jahr notwendig gewesen, um den Ausbau der Wärmenetze ausreichend zu unterstützen.
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Fazit
Der Deutschlandfonds setzt auf private Investitionen als Motor der Energiewende. Für Stadtwerke sind vor allem die neue Geothermieabsicherung und die geplante Unterstützung bei Netzfinanzierungen relevant. Ob der Fonds seine Wirkung entfalten kann, hängt jedoch von der praktischen Umsetzung ab. Entscheidend werden einfache Verfahren, ein schneller Start der Instrumente und ergänzende Lösungen zur Stärkung des Eigenkapitals sein.
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Quellen:
Deutschlandfonds gestartet: KfW fördert Geothermie
Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK): Deutschlandfonds: Stadtwerke und Energiewende im Fokus
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): Verpasste Weichenstellungen für notwendige Investitionen und mehr Resilienz – Deutschlandfonds für Energieinfrastruktur geöffnet
Deutschlandfonds startet: Bundesregierung und KfW setzen deutlichen Impuls | KfW
Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Deutschlandfonds: Neue Finanzierungsinstrumente für Zukunftsinvestitionen


Micheile Henderson auf unsplash.com







