Eine Studie des VKU analysiert den Einfluss von Kooperationen auf die Energiewirtschaft
Die kommunale Energiewirtschaft nimmt eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Energiewende in Deutschland ein. Angesichts der großen Herausforderungen, von Investitionsdruck über den sich verschärfenden Fachkräftemangel bis hin zu regulatorischer Unsicherheit, gewinnen Kooperationen zwischen kommunalen Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Die vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) in Auftrag gegebene und von EY Consulting im August 2025 veröffentlichte Studie „Mit vereinten Kräften – Gezielte Kooperationen als Erfolgshebel der Energiewende“ untersucht diese Entwicklung und zeigt sowohl Chancen als auch Grenzen von Kooperationen auf.
Kooperationen können Skaleneffekte erzeugen und gleichzeitig unternehmerische Eigenständigkeit ermöglichen
Im Zentrum der Analyse steht die These, dass gezielte Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette erhebliche Effizienzpotenziale heben können, ohne dass die dezentrale Struktur der kommunalen Energiewirtschaft aufgegeben werden muss. Die Energiewirtschaft wird in dieser Betrachtung in die Stufen der Erzeugung, des Transports und der Verteilung sowie des Handels und Vertriebs eingeteilt. Laut der Studie ermöglichen Kooperationen die Realisierung von Skaleneffekten, ohne dass die regionale Identität oder die unternehmerische Eigenständigkeit geopfert werden muss. Dies gilt unter anderem in den Bereichen gemeinsame Projektentwicklung, gemeinsamer Netzbetrieb und digitalisierte Vertriebsplattformen. Besonders betont wird der Erhalt der kommunalen Steuerungsfähigkeit, die als demokratischer und strategischer Vorteil gesehen werden kann.
Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, durch Kooperationen Fachwissen zu bündeln und strategische Innovationsprojekte gemeinsam zu realisieren. Vor allem kleinere Versorger profitieren davon, dass sie beispielsweise gemeinsame IT-Plattformen betreiben oder im Einkauf, bei der Datenanalyse oder bei der Integration erneuerbarer Energien zusammenarbeiten. Kooperationen können eine echte Alternative zur Konsolidierung sein, um so die Überführung kleiner Einheiten in größere Konzerne zu vermeiden. Diese Form der Zusammenarbeit schützt die lokale Wertschöpfung und unterstützt passgenaue Lösungen für BürgerInnen und Betriebe vor Ort.
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Aufwand und Regulatorik können sich negativ auf Kooperationen auswirken
Trotz dieser Vorteile benennt die Studie auch zentrale Herausforderungen. Es werden insbesondere regulatorische Rahmenbedingungen kritisiert, die kleinere Unternehmen benachteiligen. Besonders in der Netzinfrastruktur scheitern Kooperationen oft an den regulatorischen Vorgaben. Hierzu zählen kurze Regulierungsperioden, einheitliche Effizienzvorgaben und mangelnde Flexibilität für regionale Besonderheiten. Auch organisatorisch sind Kooperationen mit erheblichem Aufwand verbunden. Unterschiedliche Entscheidungsstrukturen, technische Systeme und Unternehmenskulturen führen zu komplexen Abstimmungsprozessen. Gerade die Anlaufphase von Kooperationen ist stark vom gegenseitigen Vertrauen und klaren Governance-Strukturen abhängig.
Ein weiteres Risiko liegt in der potenziellen Abhängigkeit kleinerer Partner von größeren Kooperationsführern. Zwar bietet die gemeinsame Nutzung von Plattformen und Ressourcen viele Vorteile, doch kann dabei auch die Eigenständigkeit unter Druck geraten. Dieser Aspekt wird in der Studie nur am Rande erwähnt, könnte in der Praxis aber zu Konflikten führen.
Auch der Zwang zu einheitlichen Netzentgelten, sobald mehrere Gesellschaften zusammengefasst werden, kann Kooperationen verhindern oder diese sogar zur Rückabwicklung zwingen, wenn es aufgrund der ungleichen Lastenverteilung innerhalb der Kommunen zu politischem Widerstand kommt. Diese Gleichbehandlung von Kooperationen und Fusionen wird von der Studie kritisch gesehen und es wird auf mehrere Lösungsansätze eingegangen, mit der die Bundesnetzagentur diesen Nachteilen entgegenwirken könnte.
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Einordnung der Objektivität der Studie
Die analysierte Studie wurde im Auftrag des VKU erstellt. Dies ist ein Verband, der die Interessen kommunaler Unternehmen vertritt. Diese institutionelle Nähe kann zu einer tendenziell positiven Darstellung kommunaler Kooperationen führen. Zwar basiert die Analyse auf Umfragen und Interviews mit VKU-Mitgliedern, es fehlt jedoch eine externe Perspektive, zum Beispiel durch unabhängige, wissenschaftliche Einrichtungen oder Verbraucherverbände. Diese weitere Perspektive könnte einen echten Mehrwert zu der Studie liefern. Die Studie führt positive Fallbeispiele auf, mögliche Misserfolge oder gescheiterte Kooperationsprojekte werden kaum thematisiert. Kritische Rückfragen an die Auswahl der Befragten und Gewichtungen der Aussagen bleiben offen. Im Rahmen der Experteninterviews wird allerdings ein breites Spektrum innerhalb der Energiewirtschaft abgedeckt, sodass sich trotzdem ein guter Überblick über verschiedenste Kooperationsprojekte ergibt.
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Kooperationen ermöglichen die Zukunftsfähigkeit und Digitalisierung der Energiebranche
Die Studie ist ein wertvoller Beitrag zur aktuellen Debatte um die Zukunftsfähigkeit kommunaler Energieversorger. Sie zeigt auf, dass Kooperationen nicht nur Notlösungen zur Kostensenkung sind, sondern strategische Hebel zur Transformation der Energiewirtschaft sein können. Die dezentrale Struktur wird dabei nicht als Hindernis, sondern als Stärke gesehen, insbesondere wenn sie durch gezielte Partnerschaften ergänzt wird.
Vor allem bei kleinen Stadtwerken können externe BeraterInnen bei der Identifikation geeigneter Kooperationspartner, der Entwicklung tragfähiger Kooperationsmodelle sowie bei der Implementierung von Governance-Strukturen, IT-Schnittstellen und Beteiligungsformaten unterstützen. Die extern eingebrachte Expertise für regulatorische Thematiken, Change-Management und für die Planung von Bürgerbeteiligungen kann den Weg zu einer kooperativen Zusammenarbeit in der Zukunft ebnen.
Die kommunale Energiewirtschaft steht aktuell unter enormem Veränderungsdruck, doch in der Kooperation liegt auch eine zentrale Chance, regionale Stärken zu bündeln, die Energiewende aktiv mitzugestalten und gleichzeitig die wirtschaftliche Stabilität kommunaler Unternehmen zu sichern.
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