Studie zeigt hohe Akzeptanz von E-Lkw im Praxiseinsatz
Der Straßengüterverkehr zählt weltweit und auch in Deutschland zu den größten Verursachern von CO₂-Emissionen im Verkehrssektor. Nach dem Pkw-Verkehr stellt er die zweitwichtigste Emissionsquelle dar. Trotz zunehmender Klimaschutzanforderungen wird der Gütertransport auf der Straße weiterhin überwiegend durch dieselbetriebene Fahrzeuge abgewickelt. Besonders schwere Fernverkehrs-Lkw verursachen aufgrund ihrer hohen Laufleistungen und ihres erheblichen Energieverbrauchs einen überproportional großen Anteil der Emissionen. Eine erfolgreiche Dekarbonisierung des Verkehrssektors setzt daher auch die Umstellung des Straßengüterverkehrs auf emissionsarme Antriebe voraus.
Als derzeit aussichtsreichste Technologie gelten batterieelektrische Lastkraftwagen. Sie fahren lokal emissionsfrei und weisen im Vergleich zu anderen alternativen Antriebstechnologien einen hohen Wirkungsgrad auf. Inzwischen sind serienreife Modelle für den Schwerlastverkehr, einschließlich 40-Tonnen-Fahrzeuge, am Markt verfügbar. In Europa liegen die durchschnittlichen Tagesfahrleistungen bei 286 km für Verteilerfahrzeuge und 530 km für Sattelzüge (Stand Januar 2026). Damit können die meisten Transporte bereits heute mit batterieelektrischen Lkw abgedeckt werden; selbst Strecken bis 800 km sind mit kurzem Zwischenladen realisierbar.
Vor diesem Hintergrund ist die Frage von besonderer Bedeutung, wie Unternehmen die Technologie nach einem längeren Praxiseinsatz bewerten und welche Faktoren den weiteren Markthochlauf beeinflussen.
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Umfrage liefert Erkenntnisse aus über einem Jahr Praxiserfahrung
Das Öko-Institut hat eine Umfrage zur Akzeptanz von E-Lkw nach längerer Praxiserprobung unter 57 Transportunternehmen durchgeführt, die schwere batterieelektrische Nutzfahrzeuge einsetzen und diese als Early Adopter seit mindestens einem Jahr im Einsatz haben. Durchgeführt wurde die Befragung im Rahmen des BMWK-geförderten Forschungsprojekts „ELV-LIVE“, das den Einsatz batterieelektrischer Schwerlast-Lkw im realen Logistikbetrieb untersucht.
Die befragten Unternehmen haben konkrete Praxiserfahrung mit E-Lkw und verfügen zusammen über mehr als 300 dieser Fahrzeuge. Besonders bemerkenswert ist, dass 35 Prozent der Unternehmen innerhalb der vergangenen zwölf Monate zusätzliche Batterie-Lkw mit Reichweiten von mindestens 500 Kilometern angeschafft haben. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 110 neue Fahrzeuge beschafft.
Die Stichprobe deckt die gesamte Bandbreite logistischer Einsatzbereiche ab. 70 Prozent der Unternehmen sind im Nahverkehr tätig, 79 Prozent im Regionalverkehr und fast die Hälfte der Unternehmen bedient den nationalen Fernverkehr. Damit stammen die Ergebnisse nicht ausschließlich aus Nischenanwendungen, sondern spiegeln Erfahrungen aus unterschiedlichen Transportsegmenten wider.
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Umfrageergebnisse zeigen eine hohe Zufriedenheit der Unternehmen mit dem bisherigen Praxiseinsatz von E-Lkw
Das zentrale Ergebnis der Untersuchung ist die außerordentlich hohe Zufriedenheit der Unternehmen mit ihren batterieelektrischen Fahrzeugen. Insgesamt geben 93 Prozent der Befragten an, mit ihren E-Lkw zufrieden oder sogar sehr zufrieden zu sein. Fast die Hälfte der Unternehmen bewertet den Einsatz sogar als „sehr zufriedenstellend“. Nur eine sehr kleine Minderheit äußert Unzufriedenheit.
Die positiven Bewertungen beruhen vor allem auf den praktischen Erfahrungen im täglichen Betrieb. Die Unternehmen heben insbesondere die hohe technische Zuverlässigkeit, den geringen Geräuschpegel, den hohen Fahrkomfort sowie die gute Akzeptanz bei den Fahrern hervor. Darüber hinaus werden Kosteneinsparungen und ein insgesamt reibungsloser Betrieb als wesentliche Vorteile genannt. Kritik beschränkt sich überwiegend auf vereinzelte technische Störungen, Werkstattaufenthalte oder Herausforderungen im Zusammenhang mit der Ladeinfrastruktur.
Darüber hinaus werden die eingesetzten E-Lkw von den Unternehmen tendenziell sogar als technisch zuverlässiger eingeschätzt als vergleichbare Diesel-Lkw. Probleme treten zwar bei den Fahrzeugen selbst als auch beim Laden auf, bewegen sich jedoch insgesamt auf einem niedrigen Niveau.
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Mautbefreiung ist mit Abstand wichtigster Anreiz und Voraussetzung für die weitere Beschaffung von E-Lkw
Neben der hohen Zufriedenheit bleibt die Wirtschaftlichkeit ein entscheidender Faktor für den weiteren Markthochlauf. Die Unternehmen nennen die Mautbefreiung mit großem Abstand als wichtigste Voraussetzung für zukünftige Investitionen in Batterie-Lkw. Ergänzend werden niedrige Stromkosten als wesentlicher Wirtschaftlichkeitsfaktor hervorgehoben. Insbesondere Unternehmen, die ihre Fahrzeuge überwiegend am eigenen Standort laden und dabei teilweise selbst erzeugten Strom nutzen, profitieren von deutlichen Betriebskostenvorteilen gegenüber Diesel-Lkw.
Die Ergebnisse zeigen gleichzeitig, dass politische Rahmenbedingungen einen erheblichen Einfluss auf Investitionsentscheidungen haben. Unternehmen wünschen sich Planungssicherheit und langfristig stabile Förder- und Regulierungsbedingungen. Die Mautbefreiung wird dabei nicht nur als kurzfristiger Anreiz betrachtet, sondern als zentraler Baustein für die Wirtschaftlichkeit der Technologie.
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Depotladen ist bislang die dominierende Art der Energieversorgung von E-Lkw im Praxisalltag
Der überwiegende Teil der Energieversorgung erfolgt derzeit über Ladeinfrastruktur auf den eigenen Betriebshöfen. Diese Form des Depotladens bietet den Unternehmen die größte Kontrolle über Verfügbarkeit, Kosten und Betriebsabläufe. Gleichzeitig ermöglicht sie die Integration eigener Photovoltaikanlagen, wodurch ein Teil des benötigten Stroms selbst erzeugt werden kann.
Allerdings sehen die Unternehmen auch hier Herausforderungen. Die größten Hindernisse beim weiteren Ausbau der Depotladeinfrastruktur sind die hohen Investitionskosten sowie die notwendige Erweiterung bestehender Netzanschlüsse. Gerade bei größeren Flotten entstehen erhebliche Anforderungen an die Stromversorgung, die häufig zusätzliche Investitionen in die Energieinfrastruktur erforderlich machen. Diese Faktoren werden von den Befragten als die wichtigsten Herausforderungen beim weiteren Ausbau genannt.
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Unternehmen kritisieren die öffentliche Ladeinfrastruktur sowie geringe Netzdichte, fehlende Lkw-Tauglichkeit und hohe Stromkosten
Während das Laden am eigenen Depot weitgehend etabliert ist, wird die öffentliche Ladeinfrastruktur von den Unternehmen deutlich kritischer bewertet. Viele der vorhandenen Ladepunkte sind aus Sicht der Befragten nicht ausreichend für schwere Nutzfahrzeuge ausgelegt. Häufig fehlen geeignete Rangier- und Stellflächen, sodass die Nutzung mit großen Fahrzeugen erschwert wird.
Hinzu kommen Probleme bei Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Ladeleistung. Unternehmen berichten von defekten Ladepunkten, mangelnder Netzabdeckung sowie fehlenden Reservierungs- und Buchungsmöglichkeiten. Diese Unsicherheiten erschweren insbesondere den Einsatz von E-Lkw im Fernverkehr.
Auch die Kosten werden kritisch bewertet. Die Unternehmen, die Angaben zu öffentlichen Ladetarifen machen konnten, berichten von durchschnittlichen Stromkosten von rund 49 Cent pro Kilowattstunde. Einzelne Werte reichen sogar bis zu 75 Cent pro Kilowattstunde. Damit liegt öffentliches Laden häufig deutlich über den Kosten des Depotladens und schmälert die wirtschaftlichen Vorteile elektrischer Nutzfahrzeuge.
Entsprechend formulieren die Unternehmen klare Anforderungen an den weiteren Ausbau der Infrastruktur: mehr Ladepunkte, ausreichend Platz für Lkw, transparente und günstigere Preise sowie die Möglichkeit zur Reservierung von Ladeplätzen.
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Hemmnisse für Beschaffung sind vor allem hohe Anschaffungskosten
Trotz der positiven Erfahrungen bestehen weiterhin wesentliche Hürden für eine breitere Marktdurchdringung von E-Lkw. An erster Stelle stehen die hohen Anschaffungskosten der Fahrzeuge. Viele Unternehmen sehen die Wirtschaftlichkeit insbesondere ohne politische Anreize noch nicht als vollständig gesichert an.
Darüber hinaus stellen Engpässe bei Ladeinfrastruktur und Netzanschlüssen eine erhebliche Herausforderung dar. Weitere Unsicherheiten ergeben sich aus den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen, deren langfristige Verlässlichkeit für Investitionsentscheidungen von zentraler Bedeutung ist.
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Unternehmen setzen Beschaffung von E-Lkw fort – Nachhaltigkeitsziele und Kostenvorteile sind dominierende Treiber
Trotz der genannten Herausforderungen planen 72 Prozent der befragten Unternehmen, weitere E-Lkw zu beschaffen. Die langfristige Perspektive fällt sogar noch positiver aus: 93 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass E-Lkw bis zum Jahr 2030 in ihrem Unternehmen umfassend oder sogar als Standardtechnologie eingesetzt werden. Gegenüber einer vergleichbaren Befragung aus dem Jahr 2025 ist die Akzeptanz damit nochmals gestiegen.
Als wichtigste Treiber nennen die Unternehmen ihre Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele, wirtschaftliche Vorteile gegenüber Diesel-Lkw sowie die Möglichkeit, selbst erzeugten Strom zu nutzen. Hinzu kommen steigende Anforderungen von Kunden, regulatorische Vorgaben und Umweltzonen sowie die hohe technische Zuverlässigkeit der Fahrzeuge. Auch die positive Fahrerakzeptanz und der hohe Fahrkomfort werden als relevante Argumente für weitere Investitionen genannt.
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Fazit
Die Ergebnisse der ELV-LIVE-Befragung zeigen deutlich, dass batterieelektrische Lkw nach längerer Praxiserprobung in der Logistikbranche eine hohe Akzeptanz genießen. Die große Mehrheit der Unternehmen bewertet ihre Erfahrungen positiv und sieht die Technologie als zentralen Baustein für die zukünftige Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs. Bei der Einordnung der Ergebnisse ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Befragung Unternehmen erfasste, die als frühe Anwender („Early Adopter“) der Technologie grundsätzlich aufgeschlossener gegenüberstehen könnten.
Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass die weitere Marktdurchdringung stark von wirtschaftlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen abhängt. Insbesondere die Mautbefreiung, günstige Stromkosten und der Ausbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur werden als entscheidende Voraussetzungen für den weiteren Hochlauf genannt.
Insgesamt sprechen die Ergebnisse dafür, dass die technische Reife und Praxistauglichkeit von E-Lkw inzwischen deutlich höher eingeschätzt werden als noch vor wenigen Jahren. Die größten Herausforderungen liegen weniger in der Fahrzeugtechnologie selbst als vielmehr in der Wirtschaftlichkeit und den Rahmenbedingungen für deren flächendeckenden Einsatz.
Für Energieversorgungsunternehmen ergibt sich daraus ein klarer Handlungsbedarf: der strategische Aufbau von Elektromobilitätslösungen auch für Lkw, insbesondere im Bereich Ladeinfrastruktur.
Quellen:
Akzeptanz von E-Lkw in der Logistikbranche | oeko.de
Ergebnisse einer Online-Befragung von Transportunternehmen im Projekt ELV-LIVE









