Der Submetering-Rollout ist bald abgeschlossen und hat dem Smart-Meter-Rollout durch simplere Prozesse einiges voraus

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Während die Energiewirtschaft intensiv über Smart Meter Gateways (SMGW), Steuerungseinrichtungen und die Digitalisierung der Energiewende diskutiert, läuft in deutschen Mehrfamilienhäusern bereits ein Rollout, der oft weniger Aufmerksamkeit erhält, aber dennoch sehr relevant ist: die Digitalisierung der Wärmeverbrauchserfassung.

Bis Ende 2026 müssen gemäß Heizkostenverordnung (HKVO) sämtliche Wärme- und Warmwasserzähler sowie Heizkostenverteiler in Mehrfamilienhäusern fernablesbar sein. Millionen von Geräten werden derzeit ausgetauscht oder nachgerüstet. Ab 2027 ist die Fernablesbarkeit verpflichtend. Gleichzeitig fordert der Gesetzgeber, dass die Systeme interoperabel und perspektivisch an Smart-Meter-Gateways (SMGWs) anbindbar sein müssen. In der Praxis sind sie das häufig nicht – so entstehen zwei parallele Welten!

Der interessante Punkt dabei: Im Wärmemarkt findet bereits heute ein Rollout statt, von dessen Geschwindigkeit (durch einfache Prozesse und wenige Anbieter) sowie Pragmatismus (Full-Rollout) die Strombranche teilweise noch lernen kann.

Das Submetering hat die gleiche Vision wie der Smart-Meter-Rollout, aber unterschiedliche technische und prozessuale Realitäten

Sowohl der Smart-Meter-Rollout als auch das Submetering verfolgen ähnliche Ziele: Verbrauchsdaten digital verfügbar machen, Transparenz schaffen und Effizienzpotenziale heben. Die Unterschiede liegen jedoch in der Umsetzung. Durch den Full-Rollout beim Submetering bei niedrigeren technischen Anforderungen als beim SMGW (durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)) können die Zähler ihre Daten direkt über Funknetze z. B. LoRaWAN verschicken und es werden immer alle Submeter-Zähler beim Rollout getauscht.

Im Submetering wurden in den vergangenen Jahren Millionen von Funkzählern und Heizkostenverteilern installiert. Die Marktrollen (wenige große Anbieter, nicht mehrere hundert gMSB wie im Strombereich) sind etabliert, die Geschäftsmodelle klar und die wirtschaftlichen Anreize eindeutig. Immobilienwirtschaft, Messdienstleister und Eigentümergemeinschaften verfolgen letztlich dasselbe Ziel: eine effiziente, einfache und rechtssichere Verbrauchserfassung ohne komplexe Vorgaben, wie sie das BSI beim SMGW stellt.

Beim Smart-Meter-Rollout ist die Situation deutlich komplexer. Netzbetreiber, Messstellenbetreiber, Lieferanten, Gateway-Administratoren und weitere Marktpartner müssen hochregulierte Prozesse (MaKo) umsetzen. Hinzu kommen strenge Sicherheitsanforderungen (BSI), Zertifizierungen (z. B. für Steuerboxen nach BSI TR-3109-5) und komplexe Kommunikationsketten. Die Folge sind längere Einführungszeiten und höhere Kosten sowie komplizierte Prozesse durch weitreichende gesetzliche Vorgaben.

Der eigentliche Unterschied, beim Submetering ist der Kundennutzen sofort sichtbar

Ein weiterer Erfolgsfaktor des Wärme-Rollouts wird häufig unterschätzt. Mieter und Eigentümer profitieren unmittelbar von der Digitalisierung. Monatliche Verbrauchsinformationen, transparente Heizkosten und der Wegfall von Vor-Ort-Ablesungen schaffen einen konkreten Mehrwert. Die Digitalisierung wird bei der Wärme sichtbar und verständlich – anders beim Smart-Meter-Rollout im Strombereich, wo der unmittelbare Nutzen für den Endkunden oft fehlt; dies gilt insbesondere dann, wenn moderne Messeinrichtungen fälschlicherweise als Smart Meter verkauft werden.

Der Nutzen entsteht im Strombereich erst mit der Kommunikationseinheit – dem SMGW – zusammen mit dem Zähler als intelligentes Messsystem. Denn erst hierdurch können dynamische Tarife, netzdienliche Steuerung oder Flexibilitäten durch die Steuerung der Anlagen erschlossen werden. Flexibilitätsmärkte sind wichtige Bausteine der Energiewende, bleiben für viele Endkunden jedoch abstrakt und komplex. Genau deshalb wird Akzeptanz künftig ein entscheidender Erfolgsfaktor für den Rollout und ein Gelingen der Energiewende sein.

Durch die Nebenkostenabrechnung in Mehrfamilienhäusern gehören beide Welten zusammen

Die spannende Entwicklung beginnt jedoch erst jetzt. Mit der Anbindung von Submetering-Lösungen an Smart-Meter-Gateways über CLS-Schnittstellen entstehen erstmals ganzheitliche digitale Gebäudeplattformen. Strom-, Gas-, Wärme- und Wasserverbräuche können über eine gemeinsame Infrastruktur erfasst werden. Dadurch kann direkt eine Nebenkostenabrechnung erstellt werden, was in Pilotprojekten bereits funktioniert und hoffentlich den Weg aus den Projekten in den produktiven Rollout finden wird. Damit würde sich das Smart-Meter-Gateway zunehmend von einer reinen Strommesslösung zur digitalen Infrastruktur für das gesamte Gebäude entwickeln.

Der Steuerungsrollout ist die nächste Bewährungsprobe im Strommarkt

Mit dem Rollout der Steuerungseinrichtungen für Wärmepumpen, Wallboxen, Batteriespeicher – sogenannten §14a EnWG-Anlagen – und der Steuerung von Erzeugungseinrichtungen beginnt die nächste Ausbaustufe der Digitalisierung. Die technische Komplexität steigt deutlich. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Netzbetreiber, Messstellenbetreiber, Installateure und Hersteller.

Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr, ob wir digitale Infrastrukturen ausrollen können. Die entscheidende Frage lautet: Wie schnell werden wir den Rollout der Steuerungseinrichtungen schaffen? Können wir vielleicht auch Erfahrungen aus dem erfolgreichen Wärme-Rollout nutzen, um den Steuerungsrollout schneller, effizienter und kundenorientierter umzusetzen?

Fazit

Der Wärme-Rollout in Mehrfamilienhäusern zeigt eindrucksvoll, dass großflächige Digitalisierung im Messwesen bei einfachen Prozessen und klaren Vorgaben funktionieren kann. Klare regulatorische Vorgaben durch die HKVO und wenige große Dienstleister am Markt sowie wirtschaftlich tragfähige Prozesse haben die Umsetzung beschleunigt.

Der Smart-Meter-Rollout verfolgt einen deutlich anspruchsvolleren Ansatz. Denn die Energiewende wird nicht nur an der Anzahl installierter Smart Meter gemessen werden. Entscheidend ist, ob es gelingt, aus digitalen Messwerten intelligente Steuerung, effiziente Netze und echten Kundennutzen zu schaffen. Und genau dort beginnt jetzt die nächste Phase der Transformation mit dem Steuerungsrollout und der Digitalisierung der Stromnetze.

Quellen:

Wärme-Rollout zieht davon – doch die Wohnungswirtschaft bremst | energate messenger⁺