Die Resilienz der Energieversorgung wird durch die zunehmenden Krisen zur absoluten Notwendigkeit
Die Energieversorgung zählt zur kritischen Infrastruktur und ist eine wesentliche Grundlage für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, gesellschaftliche Stabilität und die öffentliche Sicherheit. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre, insbesondere der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen sowie die Folgen des Klimawandels, zeigen deutlich, dass Versorgungssicherheit nicht mehr ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit betrachtet werden darf, bei der außergewöhnliche Belastungen unberücksichtigt bleiben. Während in den letzten Jahrzehnten der Fokus der deutschen Energiepolitik auf Effizienz, Wettbewerb und Dekarbonisierung lag, gewinnt auch die Verbesserung der Resilienz der Energieversorgung zunehmend an Bedeutung.
Aus diesem Grund hat der BDEW die Studie „Resilienz der Energieversorgung im internationalen Vergleich“ veröffentlicht, in der analysiert wird, welche institutionellen, organisatorischen und strategischen Maßnahmen andere Staaten zum Schutz ihrer Energieversorgung nutzen und welche Erkenntnisse sich daraus für Deutschland ableiten lassen.
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Resilienz betrifft alle Ebenen der Energiewirtschaft
Die Studie analysiert die Resilienzstrategie ausgewählter Staaten. Trotz unterschiedlicher geopolitischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen zeigen sich gemeinsame Erfolgsfaktoren, die Rückschlüsse auf die zukünftige Ausgestaltung der deutschen Energieversorgung zulassen. Gleichzeitig verdeutlicht die Studie, dass Resilienz kein statischer Zustand ist, sondern als kontinuierlicher Anpassungsprozess verstanden werden muss, der technologische Innovationen, institutionelle Zusammenarbeit sowie langfristige strategische Planung miteinander verbindet.
Die Studie zeigt, dass sich die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen in Europa grundlegend verändert haben. Hybride Bedrohungen, Sabotage an Energieinfrastrukturen, gezielte Cyberangriffe sowie geopolitisch motivierte Eingriffe in internationale Lieferketten stellen neue Herausforderungen dar, die über klassische Versorgungssicherheitskonzepte hinausgehen. Parallel nehmen Extremwetterereignisse infolge des Klimawandels zu. Resilienz ist hierbei nicht die Fähigkeit, Störungen vollständig verhindern zu können, sondern deren Auswirkungen zu begrenzen und die Versorgung möglichst schnell wiederherzustellen.
Außerdem zeigt die Studie, dass erfolgreiche Resilienzstrategien nicht einzelne Themen betrachten, sondern immer auf mehreren Ebenen ansetzen. Neben technischen Schutzmaßnahmen sind auch klare Verantwortlichkeiten sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Staat und Privatwirtschaft relevant. Vor allem Betreiber kritischer Infrastrukturen verfügen über umfangreiches operatives Wissen, das bereits in der Planungsphase staatlicher Sicherheitsstrategien berücksichtigt werden sollte. Internationale Beispiele zeigen, dass ein kontinuierlicher Informationsaustausch zwischen Behörden, Netzbetreibern und Energieunternehmen die Reaktionsfähigkeit in Krisensituationen deutlich verbessert.
So verfolgt Finnland bereits seit vielen Jahren einen umfassenden Gesamtverteidigungsansatz, bei dem staatliche Stellen, Unternehmen und Zivilgesellschaft gemeinsam Verantwortung für die Krisenvorsorge übernehmen. Resilienz wird dort nicht ausschließlich als Aufgabe einzelner Behörden verstanden, sondern als gesamtgesellschaftliche Verpflichtung. Ähnliche Ansätze finden sich auch in Schweden, wo Behörden und Betreiber kritischer Infrastrukturen regelmäßig gemeinsame Krisenübungen durchführen und langfristige Vorsorgestrategien entwickeln.
Die Analyse verdeutlicht darüber hinaus, dass strategische Bevorratung in nahezu allen untersuchten Staaten ein zentraler Bestandteil der Resilienzpolitik ist. Neben gesetzlichen Mindestvorgaben werden häufig zusätzliche Reserven für kritische Betriebsmittel aufgebaut, um Lieferunterbrechungen über längere Zeiträume überbrücken zu können. Dies betrifft beispielsweise Transformatoren, Netzkomponenten oder Brennstoffe. Die Studie weist darauf hin, dass insbesondere lange internationale Lieferketten erhebliche Verwundbarkeiten erzeugen können, wenn einzelne Schlüsselkomponenten kurzfristig nicht verfügbar sind.
Auch die Diversifizierung der Energieversorgung kann durch verminderte Importabhängigkeiten und Fokus auf unterschiedliche Energieträger, Lieferländer sowie Transportwege die Resilienz erhöhen. Diese Strategie reduziert das Risiko geopolitischer Erpressbarkeit und erhöht gleichzeitig die Flexibilität im Krisenfall.
Die Studie zeigt zudem auf, dass eine erfolgreiche Resilienzpolitik sich nicht ausschließlich auf bekannte Gefährdungen ausrichtet, sondern auch neue oder eher unwahrscheinliche Krisen berücksichtigt werden. Hierfür können unter anderem Szenarioanalysen und Stresstests genutzt werden, um Schwachstellen zu identifizieren.
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Eine hohe Resilienz erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen den Akteuren
Der BDEW fordert, dass Resilienz zukünftig als gleichrangiges Ziel neben Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz etabliert werden sollte. Resilienz sollte somit künftig als strategischer Bestandteil der Unternehmensführung von Energieversorgungsunternehmen verstanden werden.
Hierzu gehören für Netzbetreiber zum Beispiel eine gezielte Diversifizierung von Lieferketten, der Aufbau strategischer Materialreserven sowie die stärkere Standardisierung kritischer Netzkomponenten, die teilweise lange Lieferzeiten von mehreren Monaten haben.
Vor allem die Zusammenarbeit zwischen Energieunternehmen, Behörden, Sicherheitsorganisationen sowie wissenschaftlichen Einrichtungen wird immer wichtiger. Bereits bestehende Informationsplattformen sollten weiter ausgebaut werden, um einen regelmäßigen Austausch zwischen Bundes- und Landesbehörden, Netzbetreibern sowie kommunalen Versorgungsunternehmen systematisch zu stärken.
Innereuropäische Zusammenarbeit zeigt einen positiven Einfluss auf die Resilienz. Die Möglichkeit für grenzüberschreitende Strom- und Gasinfrastrukturen erhöht grundsätzlich die Versorgungssicherheit durch gegenseitige Unterstützung. Allerdings entstehen gleichzeitig neue Abhängigkeiten, weswegen gemeinsame Sicherheitsstandards sowie koordinierte Krisenmechanismen erforderlich werden.
Nicht nur technische, sondern auch strategische Maßnahmen müssen getroffen werden. Internationale Beispiele zeigen, dass resiliente Organisationen klare Entscheidungsstrukturen, definierte Verantwortlichkeiten sowie eine ausgeprägte Sicherheitskultur haben. Krisenvorsorge darf nicht als Ausnahmefall verstanden werden, sondern als kontinuierlicher Managementprozess.
Es gibt bereits einige erfolgreiche Praxisbeispiele aus deutschen Stadtwerken. Zahlreiche Stadtwerke investieren bereits verstärkt in Notstromversorgungskonzepte, Krisenmanagementstrukturen, Cybersecurity sowie den Ausbau dezentraler Energieversorgung. Zwar noch selten, dafür aber immer häufiger, werden mittlerweile Krisenfälle aktiv von Stadtwerken durchgespielt. Darüber hinaus gewinnen regionale Kooperationen zwischen Energieversorgern, Feuerwehren, Katastrophenschutzbehörden und kommunalen Verwaltungen zunehmend an Bedeutung. Dadurch können Ressourcen gebündelt und Reaktionszeiten im Krisenfall verkürzt werden.
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Fazit
Die Untersuchung des BDEW macht deutlich: Angesichts der Vielzahl neuer Bedrohungen ist ein ganzheitliches Resilienzverständnis unerlässlich, das Prävention, Krisenbewältigung und schnelle Wiederherstellung gleichermaßen abdeckt. Dafür muss Resilienz als dauerhafte Managementaufgabe in den Unternehmen verankert werden, einhergehend mit einer Stärkung digitaler und physischer Sicherheitsmaßnahmen. Gleichzeitig gilt es, die Kooperation zwischen Behörden und Betreibern kritischer Infrastrukturen weiter zu intensivieren.
Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse der Studie, dass Resilienz nicht durch einzelne technische Maßnahmen erreicht werden kann, sondern nur aus dem Zusammenspiel robuster Infrastrukturen, leistungsfähiger Organisationen, qualifizierter Beschäftigter, politischer Unterstützung sowie zielgerichteten Investitionsstrategie.
Resilienz sollte nicht nur als Zielzustand verstanden werden, sondern als dynamischer Anpassungsprozess, der flexibel auf wechselnde Gegebenheiten und Herausforderungen reagieren kann.
Quellen:






Foto von John Morton auf https://www.flickr.com/photos/184659367@N07/52518256800/


