Dynamische Netzentgelte entlasten das Verteilnetz laut Studie kaum

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Die Bundesnetzagentur plant dynamische Netzentgelte für Batteriespeicher, die frühestens 2030, spätestens jedoch 2033 gelten sollen. Das Vorhaben ist umstritten: Kritiker bemängeln den hohen Umsetzungsaufwand und zweifeln den volkswirtschaftlichen Nutzen an. Eine neue Studie der Beratungsgesellschaft Neon Neue Energieökonomik stützt diese Zweifel. Der Nutzen sei gering bis nicht vorhanden, unter realistischen Annahmen falle die Bilanz sogar negativ aus.

Beauftragt wurde die Studie von den Netzbetreibern E.ON und EWE Netz, dem Speicherbetreiber Green Flexibility und dem Vermarkter Enspired. Neon hat dafür den Betrieb von drei Speichern von Green Flexibility für das Jahr 2025 simuliert, jeweils an einem Umspannwerk in den Netzgebieten von EWE Netz sowie den E.ON-Töchtern E.DIS und Bayernwerk. Enspired übernahm die Optimierung. Ausgewählt wurden bewusst Standorte, an denen bereits ein vergleichsweise hoher Redispatchbedarf besteht.

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Speicher entlasten das Netz meist schon heute

An allen drei Umspannwerken stützen die Speicher das Netz auch ohne dynamisches Netzentgelt überwiegend. Laut Studie wirkt ihr marktgetriebener Einsatz lokalen Engpässen in der Regel bereits entgegen. Damit bleibt von vornherein wenig Spielraum für einen zusätzlichen Nutzen durch ein dynamisches, zeitvariables Netzentgelt.

Untersucht wurde ein Netzentgelt, das sich an den Grenzkosten des Redispatches orientiert: Besteht negativer Redispatchbedarf, wird der Netzbezug günstiger und die Einspeisung teurer. Ohne Engpass fällt kein dynamisches Entgelt an. Selbst im Idealfall, in dem das dynamische Netzentgelt kontinuierlich gilt und die Lage perfekt vorhergesehen wird, steigt der Systemnutzen um höchstens 4 Prozent. Der Grund: Die Einsparungen beim Redispatch werden fast vollständig dadurch aufgezehrt, dass der Marktmehrwert der Speicher sinkt. Gegenüber dem Idealfall schneiden praxisnähere Varianten schlechter ab. Ein vereinfachtes dynamisches Netzentgelt mit drei Stufen senkt den Systemnutzen am Umspannwerk von EWE Netz sogar, weil es nicht zwischen teurem und günstigem Redispatch unterscheidet.

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Die Prognose am Vortag trifft Engpässe zu selten

Im untersuchten Modell wird das dynamische Netzentgelt am Vortag um 10 Uhr anhand von Prognosen festgelegt und danach nicht mehr angepasst. Das entspricht der in der Praxis vorgesehenen Ausgestaltung. In diesem Fall sinkt der Systemnutzen in allen untersuchten Fällen. Entscheidend ist, ob die Prognose vorhersagt, dass die Aktivierungsschwelle überschritten wird, also der Punkt, ab dem das Entgelt greift. Genau das gelingt nur schlecht.

Bezogen auf die gesamte Zeit liegt der Redispatchbedarf in rund 80 Prozent der Fälle sowohl laut Prognose als auch in der Realität unter dieser Aktivierungsschwelle. Selbst an Umspannwerken, die wegen ihres hohen Redispatchbedarfs ausgewählt wurden, besteht also meist keine Notwendigkeit zur Handlung. Auf die übrigen rund 20 Prozent der Zeit, in denen es auf das Entgelt ankäme, entfallen 11 Prozent auf richtige Prognosen. In 4 Prozent der Zeit unterschätzt die Prognose die Auslastung und das dynamische Entgelt greift nicht, obwohl es das sollte. In 5 Prozent überschätzt sie die Auslastung, womit das dynamische Entgelt ohne Engpass greift.

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Während Verteilnetzbetreiber erst Nutzen, Kosten und Risiken weiter prüfen wollen, hält der Speicherbetreiber am Prinzip grundsätzlich fest

E.ON sieht durch die Ergebnisse die Annahme widerlegt, dynamische Netzentgelte seien grundsätzlich gut. David Riemenschneider, Leiter Netzwirtschaft bei E.ON, verlangt vor einer möglichen Einführung eine transparente und umfassende Abwägung von Nutzen, Kosten und Risiken. Die Studie liefere dafür erste Belege. EWE Netz hält eine Einführung für Batteriespeicher im Verteilnetz derzeit nicht für gerechtfertigt. Stefan Börris, Experte für Flexibilitätsmanagement, begründet das damit, dass die dynamischen Entgelte negativen Redispatch nicht wirksam reduzierten und zusätzliche Kosten verursachen könnten. Zuvor müsse belastbar nachgewiesen sein, dass der Netznutzen die Prozess- und Umsetzungskosten klar übersteigt.

Green Flexibility trägt die Ergebnisse grundsätzlich mit, ordnet sie aber anders ein. Dass Speicher schon heute überwiegend netzdienlich handeln, sei eine gute Nachricht für die Netzstabilität, begrenze aber den zusätzlichen Nutzen eines dynamischen Netzentgelts. Der geringe Nutzen zeige sich vor allem im Szenario mit Festlegung am Vortag: Die Prognosen seien zu diesem Zeitpunkt zu ungenau, spätere Verbesserungen blieben unberücksichtigt, Fehlanreize seien die Folge. Am Grundprinzip hält das Unternehmen fest: Wer Engpässe verschärft, solle die Kosten berücksichtigen, wer das Netz entlastet, davon profitieren. Für die wenigen kritischen Zeitfenster bevorzugt es andere Instrumente, etwa die Einbindung der Speicher in den Redispatch, eine gezielte Vergütung netzentlastender Flexibilität und eine bessere Abbildung regionaler Knappheiten. Zudem soll geprüft werden, ob bessere Prognosen und Signale näher am Betriebszeitpunkt die Wirkung verbessern.

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Fazit  

Die Ergebnisse sprechen klar gegen ein am Vortag festgelegtes dynamisches Netzentgelt für Speicher im Verteilnetz. Es setzt an einem Problem an, das an den untersuchten Standorten ohnehin selten besteht, denn die Speicher entlasten das Netz überwiegend schon von selbst. Und wo es auf das Entgelt ankäme, liegt die Prognose am Vortag in fast der Hälfte dieser relevanten Fälle falsch: Das Entgelt greift nicht, obwohl es sollte, oder es greift ohne Engpass. Selbst im theoretischen Idealfall mit perfekter Voraussicht steigt der Systemnutzen um höchstens 4 Prozent. Ein Partner von Neon und Mitautor der Studie formuliert das Ergebnis entsprechend deutlich: „Im Verteilnetz schadet das untersuchte dynamische Netzentgelt für Speicher mehr, als es nutzt.“ Insbesondere angesichts der aufwendigen Prozessanpassungen ist selbst der theoretische maximale Mehrwert von 4 Prozent zu gering, um den Aufwand zu rechtfertigen.

Grundsätzlich ist es zunächst wichtig, dass der Nutzen nachgewiesen ist, bevor ein dynamisches Netzentgelt kommt. Die Studie liefert bislang kein Argument, das für eine Einführung spricht. Ob zeitnähere Signale die Wirkung tatsächlich verbessern, wie Green Flexibility vermutet, ist dagegen noch offen und müsste erst geprüft werden.

Die Reichweite der Studie hat ihre Grenzen: Sie beruht auf drei Standorten mit hohem Redispatchbedarf, wurde von Netzbetreibern und Flexibilitätsanbietern beauftragt und lässt sich laut Neon nicht ohne Weiteres auf das Übertragungsnetz übertragen, weil dafür keine öffentlichen Daten vorlagen. Für das Verteilnetz ist sie dennoch ein deutliches Warnsignal. Bis zur geplanten Einführung frühestens ab 2030 bleibt Zeit, den Nutzen sauber zu belegen.